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Verantwortliche für die Mitarbeiterentwicklung aus großen Unternehmen wollen häufig von uns wissen: „Was machen Sie mit Mitarbeitern, die sich nicht verbessern wollen?“ Gute Frage, auch wenn sie nicht leicht zu beantworten ist.

Widerstand ist ein spannendes Thema. Gerade schlagen sich viele Unternehmen damit herum, weil die einen etwas verändern wollen und die anderen wollen das so nicht mitmachen. Es heißt dann oft: „Wir müssen die Menschen mitnehmen“. Dabei ist die Herablassung, die in diesem Satz mitschwingt, schon Kern des Problems.

Herausfinden, was ist

In ihrem Vortrag Persuade & Influence hat Sabrina Mach etwas Wesentliches gesagt: Als erstes gilt es herauszufinden, ob jemand grundsätzlich bereit ist, sich überzeugen zu lassen oder nicht. Die eine Gruppe, die sie als „Critical thinker“ bezeichnet, argumentiert rational, hört zu und steht Gegenargumenten grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. Dagegen hält die zweite Gruppe, die sie „Blind supporter“ nennt, unter allen Umständen an ihrer Auffassung fest. Natürlich lassen Menschen sich nicht einfach in die eine oder andere Gruppe sortieren. Wir sind, abhängig vom Thema, alle mal in der einen oder anderen Gruppe. Jede noch so kritische Denkerin hat Überzeugungen und tief verinnerlichte Werte, über die sie nicht mit sich diskutieren lässt.

Wenn es darum geht, ob Mitarbeiter offen für unsere Angebote sind, dann gehören, je nach Unternehmen 75 bis 95 Prozent unserer Teilnehmer zur Gruppe der „Critical Thinker“. Sie sind offen für Verbesserungen und bereit, über sich nachzudenken. Sie sind willens, etwas anders zu machen als sonst, wenn wir sie davon überzeugen können, dass der Versuch sich lohnt oder zumindest nicht schaden kann.

Fokus weg vom Widerstand

Die anderen 5-25 Prozent sind dazu nicht bereit. Häufig sind es Mitarbeiter, von denen Personalverantwortliche sagen, dass bei ihnen der größte Weiterentwicklungsbedarf besteht. Wie erreichen wir die? Am Anfang haben wir gesagt: Liebe Kunden, konzentriert euch nicht immer auf Unmotivierten, konzentriert euch lieber darauf, eure engagierten Mitarbeiter zu fördern und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Sonst sind die bald weg und ihr bleibt mit den anderen zurück. Das beste Schulungsangebot kann nichts bewirken bei Mitarbeitern, die unzufrieden sind mit ihrem Job und vielleicht sogar schon innerlich gekündigt haben. Doch das war nicht die Antwort, die unsere Kunden hören wollten.

Also haben wir weiter nachgedacht. Widerstand begegnen wir schließlich täglich, es gibt ihn auch bei den aufgeschlossenen 75-95 Prozent. Er äußert sich in Formulierungen wie: „Klar wäre es kundenfreundlicher, auf das Problem des Kunden einzugehen, aber dazu haben wir keine Zeit.“ Er zeigt sich darin, dass man weiß, wie es besser geht, aber es nicht macht (wir kennen das auch von uns selbst ;)).

Wie man Menschen erreicht

Wir mussten einfach akzeptieren: Es gibt Widerstand, dem kann man nicht mit rationalen Argumenten beikommen. Aber die Menschen können wir trotzdem erreichen, nämlich so:

  1. RESPEKT: Diejenigen, die die Arbeit tun, sind diejenigen, die sich am besten damit auskennen. Punkt. Gar nicht erst auf die Idee kommen, dass man irgendetwas besser wissen könnte.
  2. NEUGIER wecken: Wenn man etwas aufmerksam ist, stellt man fest, dass Erwachsene häufig gar nicht so begierig darauf sind zu erfahren, was wildfremde Menschen ihnen erklären möchten. Dafür interessieren sie sich brennend dafür, wie andere mit denselben Herausforderungen umgehen, mit denen sie sich täglich herumschlagen oder wie sie selbst auf andere wirken. Damit arbeiten wir.
  3. Eine ATMOSPHÄRE schaffen, in der unterschiedliche Auffassungen und Perspektiven als wertvoll erlebt werden. Wenn „Widerstand“ eingeladen ist, ist er häufig auch bereit, wieder zu gehen. Und wer mit seinem „anders“ Denken wertgeschätzt wird, ist eher bereit, wertschätzend mit anderen anders Denkenden umzugehen.
  4. Mit HUMOR geht alles besser, wirklich alles. Humor löst Spannungen und fördert das Gefühl von Zugehörigkeit – eines unserer größten Bedürfnisse als Mensch. Humor wirkt gesundheitsfördernd, reduziert Stress und sorgt nachgewiesenermaßen dafür, dass Gelerntes besser verarbeitet wird. Deshalb sorgen wir dafür, dass unsere Teilnehmer Spaß haben.
  5. Als letztes ist etwas dazu gekommen, dass im Englischen so schön als NUDGING bezeichnet wird und sich mit „anstupsen“ übersetzen lässt. Für uns bedeutet es, andere anzuregen, sich aus der eigenen Komfortzone zu bewegen. Das ist leider nötig, wenn alte Gewohnheiten durch neue ersetzt werden sollen. Es ist einfach zu bequem, immer wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Deshalb laden wir jeden und jede dazu ein, sich Ziele und Herausforderungen zu setzen und bleiben auch noch an ihrer Seite, wenn die ersten Hindernisse auftauchen.

Wie geht ihr, wie gehen Sie mit Widerstand um?

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